Der gemeinsame Aufruf von der Fußgänger-Initiative Geht-Doch, der Radlobby und Wir machen Wien an die Wiener:innen, ihre Wünsche und Ideen für Low Traffic Grätzl in ganz Wien einzubringen, war ein großer Erfolg. Über 1.600 Menschen haben mitgemacht, über 5000 Mal zugestimmt und Ideen für alle 23 Bezirke gebracht, was zeigt, dass der Wunsch nach Verkehrsberuhigung kein lokales Phänomen ist.
Der größte Wunsch der Menschen: mehr Grün und Kühlung in den überhitzten Grätzln, sowie die Forderung nach Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, der derzeit überwiegend dem ruhenden und fließenden Verkehr dient.
Wir sehen das als klaren Auftrag für viele weitere Low Traffic Grätzln, die Verkehrsstadträtin Ulli Sima und die Bezirke umsetzen sollen.

Herzlichen Dank an euch alle aktiven Ideengeber:innen, Mitmachende und Initiativen. Ohne eure Unterstützung hätten wir nicht diesen Rückhalt, mit der wir nun alle Low Traffic Grätzl Ideen an Verkehrsstadträtin Ulli Sima und die Bezirke herantragen. Für uns zeigt es, dass es viele Menschen in Wien gibt, die in Umgestaltungsprozesse in ihrem Grätzl miteinbezogen werden wollen! Verkehrsstadträtin Ulli Sima und die Bezirke sind aufgerufen, in jedem Bezirk weitere Low Traffic Grätzln umzusetzen – dafür setzen wir uns ein.
Allgemeine Empfehlung:
Dieser Aufruf hat erneut bestätigt: viele Menschen in Wien haben großes Interesse in Umgestaltungsprozesse in ihrem Grätzl miteinbezogen zu werden!
Neben vielen einzelnen, interessierten Privatpersonen gibt es auch viele lokale Initiativen, die sich meist seit Jahren und oft komplett ehrenamtlich für eine Verbesserung der Lebensqualität in ihrem Grätzl einsetzen. Dieser Schatz an lokaler, sozialräumlicher Expertise stellt für die Stadt und die Bezirke ein oftmals noch zu wenig genutztes Potenzial dar. Einwohner:innen und lokale Initiativen können und wollen in Umgestaltungsprozessen vermehrt als lokale Partner:innen und Multiplikator:innen auftreten – vor allem wenn sie fair und transparent eingebunden werden.
Themen:
Inhaltlich dominieren zwei eng verwandte Anliegen: der Wunsch nach mehr Grün und Kühlung in überhitzten Grätzln sowie die Forderung nach Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, der derzeit überwiegend dem ruhenden und fließenden Autoverkehr dient.
Eng damit verbunden ist das Thema Durchzugsverkehr: Viele Einträge beschreiben, wie Wohnstraßen als Abkürzungen genutzt werden, nachdem benachbarte Hauptstraßen beruhigt wurden.
Unsere Empfehlungen:
- Low Traffic Grätzl als stadtweites Programm in allen 23 Bezirken umsetzen
1.623 Menschen haben sich mit 423 Einträgen aus allen 23 Bezirken beteiligt und damit gezeigt, dass der Wunsch nach Low Traffic Grätzln kein lokales Einzelanliegen ist, sondern ein gesamtstädtisches Muster! Die Breite der Beteiligung spricht dafür, ein wienweites Programm als „Baukasten“ aus Modalfiltern, Einbahnumkehrungen, Begrünung und Aufenthaltselementen aufzuziehen, welches flexibel genug ist um die lokalen Wünsche miteinzubeziehen! Bezirke mit bisher wenigen Einträgen, darunter Donaustadt, Favoriten, Floridsdorf, Simmering, Liesing, Meidling, Penzing und Döbling, die zusammen 56 Prozent der Wiener Bevölkerung stellen, sollten das Thema durch gezielte Aufrufe an ihre Bevölkerung verbreiten, damit das Programm auch dort ankommt, wo der Handlungsbedarf laut den vorliegenden Einträgen ebenfalls besteht. - Schleichverkehr durch Modalfilter und Einbahnumkehrungen unterbinden
Durchzugsverkehr durch Wohngassen und Nebenstraßen ist laut den Einträgen das am häufigsten beschriebene Problem und betrifft 109 Einträge quer durch alle Bezirke. Als wirksamste Maßnahme nennen die Einträge Diagonalfilter und Einbahnumkehrungen an einzelnen Kreuzungen, die den Durchzug unterbinden, ohne die Zufahrt für Anrainerinnen und Anrainer, Lieferdienste und Einsatzfahrzeuge zu sperren. Konkrete Beispiele mit hohem Rückhalt sind die Ramperstorffergasse in Margareten, die Haydngasse in Mariahilf und die Walcherstraße in Leopoldstadt. - Begrünung und Entsiegelung als Pflichtbestandteil jedes Low Traffic Grätzl
Begrünung ist mit 118 Einträgen das am häufigsten genannte Element und damit deutlich stärker vertreten als alle anderen im Aufruf genannten Elemente wie Poller oder Farbgebung. Laut den Einträgen sind versiegelte Flächen und fehlende Straßenbäume die Hauptursachen für Hitzeinseln in dicht bebauten Grätzln, und die häufigste vorgeschlagene Maßnahme ist das Ersetzen von Parkplätzen durch Baumpflanzungen, Pflanztröge und Hochbeete. Das Programm sollte Begrünung und Entsiegelung daher nicht als optionale Ergänzung, sondern als festen Bestandteil jedes Umsetzungspakets vorsehen. - Schulvorplätze und Kinderwege baulich sichern
97 Einträge beschreiben gefährliche Situationen rund um Schulen und Kindergärten, wobei laut den Einträgen
bestehende 30er-Zonen und Wohnstraßen mangels baulicher Maßnahmen kaum eingehalten werden. Die am
stärksten unterstützten Einzelvorschläge in diesem Bereich sind die Spallartgasse in Penzing und die Blumauergasse in Leopoldstadt. Als wirksamste Maßnahme nennen die Einträge autofreie oder mit Pollern gesicherte Schulvorplätze sowie Bodenschwellen und Fahrbahnverengungen, die Tempo strukturell erzwingen statt es nur zu beschildern. - Pilotgrätzl Wallensteinstraße und Hannovermarkt-Umfeld in Brigittenau
Die Wallensteinstraße ist mit 256 Menschen der am stärksten unterstützte Einzeleintrag im gesamten Projekt und wird laut den Einträgen als Beton- und Verkehrshölle ohne Begrünung, mit gefährlichen Bedingungen für
Radfahrende und hoher Lärmbelastung beschrieben; Unmittelbar benachbart konzentrieren sich mehrere Einträge rund um den Hannovermarkt, die Poller gegen Durchzugsverkehr und Sitzmöglichkeiten am Marktbereich fordern. Die räumliche Häufung und der hohe Rückhalt machen diesen Bereich in
Brigittenau zu einem vorrangigen Kandidaten für eine frühe Umsetzung. - Bestehende Wohnstraßen durch bauliche Maßnahmen wirksam machen
49 Einträge beschreiben Wohnstraßen, die laut den Einträgen zwar rechtlich ausgewiesen, aber mangels baulicher Sicherung faktisch wirkungslos sind, weil Durchfahrtsverbote ignoriert und Schrittgeschwindigkeiten nicht eingehalten werden. Die Einträge schlagen keine neuen Widmungen vor, sondern fordern Poller, Diagonalfilter und Fahrbahnverengungen, um den bestehenden rechtlichen Status auch im Straßenraum sichtbar zu machen. Dieses Muster wiederholt sich in mehreren Bezirken, etwa in der Marchettigasse in Mariahilf, der Hauslabgasse in Margareten und der Friedrich-Kaiser-Gasse in Ottakring. - Lokales Engagement nutzen und in zukünftige Planung mit einbinden
Dieser Aufruf hat erneut bestätigt: viele Menschen in Wien haben großes Interesse in Umgestaltungsprozesse in ihrer Umgebung miteinbezogen zu werden!
Neben vielen einzelnen, interessierten Privatpersonen, gibt es auch viele lokale Initiativen, die sich meist seit Jahren und oft komplett ehrenamtlich für eine Verbesserung der Lebensqualität in ihrem Grätzl einsetzen. Dieser Schatz an lokaler, sozialräumlicher Expertise stellt für die Stadt und die Bezirke ein oftmals noch zu wenig genutztes Potenzial dar. Einwohnerinnen und lokale Initiativen können und wollen in Umgestaltungsprozessen vermehrt als lokale Partnerinnen und Multiplikator:innen auftreten – vor allem wenn sie fair und transparent eingebunden werden.
Verkehrsstadträtin Ulli Sima und die Bezirke sind aufgerufen in jedem Bezirk weitere Low Traffic Grätzln umzusetzen.
- weitere Infos hier – Map!t Seite
- Hier ist die gesamte Analyse
