Es ist enttäuschend: Die eigens gesteckten Ziele der Stadt Wien – bis 2025 – 80% der Wege im Umweltverbund zurückzulegen, und bis 2030 85% konnten nicht erreicht werden. Daher wurde der Zielwert verschoben: 80% mit Öffis, Fuß und Rad bis 2030. Aber selbst der scheint unerreichbar zu bleiben.
Hier die kritische Analyse von Ulrich Leth:
Der Modal Split für die Stadt Wien 2025 ist endlich da, und jetzt ist auch klar, wieso die Veröffentlichung so lange gedauert hat. Man versuchte wohl fieberhaft, die schlechten Zahlen (Ziel verpasst, Fußverkehr & Öffis sinken, MIV steigt) schönzureden.
Dabei hat man nichts unversucht gelassen: Motorisierte Zweiräder 🛵🏍️ werden nun extra ausgewiesen und machen 1,0% der Wege aus. So sinkt der Pkw-Anteil optisch, der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (also mit Motorrädern und Mopeds) ist aber eigentlich gestiegen (von 25% auf 25,9%)

Und nein, es festigt sich leider nicht der Trend in Richtung umweltfreundliche Mobilität, sondern der Anteil des Umweltverbunds (Öffis, Rad, Fuß) stagniert (74%) und die Lücke zum Ziel (2025: 80%, im Gemeinderat beschlossen) wird immer größer.
Die Ausweisung von Kommastellen ist nett, täuscht aber eine Scheingenauigkeit vor, und neu ist das schon gar nicht: in den öffentlich verfügbaren Modal Split Zahlen, die es bezeichnenderweise nur bis 2021 gibt, wurde immer eine Kommastelle ausgewiesen.

Wie schaut die Entwicklung also tatsächlich aus? 2024 > 2025 Öffis ↘️ 34% > 33,6% Fuß ➡️ 30% > 30,0% (Abwärtstrend nach Corona gestoppt) Rad ↘️ 11% > 10,5% MIV ↗️ 25% > 25,9% Das Ziel 2025 wurde also nicht nur verpasst, die Entwicklung geht auch in die falsche Richtung.
Wieso ändert sich nichts?
Wieso beim Modal Split nichts weitergeht? Zu wenige Maßnahmen werden gesetzt, und die sind wenig ambitioniert:
– Wichtige ÖV-Maßnahmen werden „aus Budgetgründen“ aufgeschoben, für Autobahnzubringer in Vorzeige-Stadtentwicklungsgebiete („Stadtstraße“) ist Geld da.
– Die Potenziale der flächendeckende Ausweitung des Parkpickerls auf ganz Wien bleiben ungenutzt. Eine Reform der Zonengröße (die aktuelle Umsetzung fördert Zonen-Binnenverkehr) wurde bislang ebenso wenig umgesetzt, wie der großzügige Rückbau von Oberflächenparkplätzen.
– Radwege werden noch immer in Luxusvariante errichtet, statt mit einfachen, temporären Maßnahmen (s. Gürtelradweg beim Westbahnhof) schnell in die Fläche zu kommen. – Wirksame ÖV-Bevorrangung gibt’s bisher nur am Papier.
Fazit
👎Selbst der leicht positive Trend der letzten Jahre (Reduktion des Kfz-Verkehrs) ist gestoppt, daran ändern auch statistische Tricks nichts.
👍Zumindest hat sich der Fußverkehr nach dem Corona-Hoch über dem ursprünglichen Niveau erfangen.
👎Vom Ziel sind wir meilenweit entfernt.
Nachtrag: wie im Stadtentwicklungsplan 2025 richtig erkannt, muss der MIV-Anteil sinken, um bei steigender Bevölkerungszahl nicht mehr Autowege zu produzieren. Die Befürchtung ist fast eingetreten: die Zahl der mit Kfz zurückgelegten Wege ist von 2014 bis 2025 um 7% gestiegen.
